Porzellan

Die Definition des Porzellans - aus der Warenkunde von Holst Porzellan

 

 

Poetische Definition des Porzellans

Aus Sand, Steinen und irdenen Stoffen geschaffen, geformt und im Feuer geschrumpft und gebrannt, so entsteht das "Weiße Gold". Kaum ein Werkstoff bietet so viele unterschiedliche Qualitäten unter einem Namen wie das Porzellan. Chromstahl, Kupfer, Silber, Gold und Platin bezeichnen fast selbstredend ihren Unterschied zueinander und schaffen so eine Rangordnung in der Preiserwartung des Käufers. Früher waren es die adeligen Namen, die dem Porzellan ihren Wert verliehen haben und mit ihrem Namen als Garant für eine hohe Qualität gestanden haben. Heute ist das anders! 

Der Verband der Keramischen Industrie e.V. "...hundert Hände sind notwendig, um ein Porzellanstück anzufertigen. Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit sind Voraussetzung bei der Herstellung wertvoller Porzellanteile. Sie entstehen im Rahmen eines vielfältigen, wohldurchdachten Fabrikationsverfahrens. Nach dem Glühbrand im Brennofen erhält das Porzellan dann bei ca. 1.400 °C seinen Glasurbrand. Hierbei ist das Material zahlreichen Zufälligkeiten ausgesetzt, wie z. B. der Eigenart der Rohstoffe und dem Einfluss des Feuers. Auch heute noch erfolgt die Formengestaltung trotz der maschinellen Möglichkeiten weitestgehend durch Handarbeit. Natürliche Rohstoffe werden sorgfältig von Menschenhand verarbeitet. Genau das ergibt den Wert der erzeugten Produkte. Geringe Abweichungen in Farbe, Form und Stärke sind daher möglich und produkttypisch..."

  

 

Branchenübliche Definition des Porzellans

Eine einwandfreie - mit juristischer Sicherheit anwendbare - Definition von "Porzellan" ist schwierig, zumal feststehende Industrienormen (DIN) und entsprechende Überwachungsorgane fehlen. Porzellan ist zwar rein wissenschaftlich aus der Materiallehre dokumentiert, wird aber vielerorts mangels Fachwissen und mangels wirtschaftlicher Bedeutung des Wirtschaftszweiges nicht vertiefend definiert. Mag sein, dass dieser Umstand dem handwerklichen Ursprung der Herstellung geschuldet ist, oder weil die Verwendung von Porzellan als Lebensmittelbedarfsgegenstand inzwischen überaus strengen Richtlinien untergeordnet ist. 

Ferner wird die Bezeichnung "Porzellan" in einigen Ländern unterschiedlich von der herkömmlichen "Stoneware" bzw. "Chinaware" abgegrenzt. In den meisten Fällen ist dies auf eine Kuriosität zurückzuführen: Der Biskuitbrand wird in einem höheren Temperaturbereich gefahren als der Glattbrand (Hochbrand) - der diesen Namen aufgrund eben dieser Kuriosität nicht verdient hat. Porzellan - um es von anderen Arten der Keramik zu unterscheiden - ist nach seinen zwei Hauptbestandteilen zu analysieren: Der Scherben (als hoch gebrannte Masse) und der Glasur. Die Glasur des Porzellans entspricht in ihrer Zusammensetzung dem Glas und ist daher wissenschaftlich einfacher zu definieren.

Obwohl man handelsüblich gerne vom "Feldspatporzellan" spricht, besteht die Porzellanscherbe im Grunde ebenfalls aus circa 65 bis 80% Glas, in welches Millionen von winzigen Mullit- und Quarzkristallen eingebettet sind. Das erklärt übrigens, warum "echtes" Porzellan einen transparenten Lichtfluss zulässt. Vor allem mit dieser Eigenschaft unterscheidet sich Porzellan von anderen keramischen Stoffen. Feldspat - einem wichtigen Rohstoff des Porzellans - ist ein Silikatmineral, das zur Familie der Mischkristalle zählt und einen transparenten, mit Spaltrissen durchzogenen Gesteinsaufbau aufweist und zur Transparenz des Porzellans beiträgt.   

 


 

Labortechnische Definition des Porzellans

Aus der Materiallehre - also rein chemisch - zählt Porzellan zur Gruppe der Silikatkeramik. Silikatkeramik, als älteste Gruppe aller Keramiken, hat einen dominierenden Anteil an den feinkeramischen Erzeugnissen. Wesentliche Bestandteile dieser mehrphasigen Werkstoffe sind Ton und Kaolin, Feldspat und Speckstein als Silikatträger. Daneben werden auch Komponenten wie Tonerde und Zirkon zur Erzielung spezieller Werkstoffeigenschaften, z. B. hoher Festigkeiten, verwendet.

Im Sinterbrand entsteht neben den kristallinen Phasen meist ein hoher Anteil (> 20 %) an Glasphase, deren wesentlicher Bestandteil Siliciumoxid (SiO2) ist. Wegen relativ niedriger Sintertemperaturen, guter Prozessbeherrschung und hoher Verfügbarkeit der natürlichen Rohstoffe ist die Silikatkeramik wesentlich kostengünstiger als Oxid- oder Nichtoxidkeramik. Letztere benötigen aufwändig hergestellte synthetische Pulver und hohe Sintertemperaturen.

Silikatkeramik kommt z. B. in der Wärmetechnik, der Mess- und Regeltechnik, der Verfahrens- und Umwelttechnik, der Hoch- und Niederspannungstechnik mit typischen Anwendungen wie Isolatoren, Sicherungspatronen, Katalysatoren, Gehäusen sowie bei vielfältigen Anwendungen in der Elektroinstallationstechnik zum Einsatz. Silikatkeramik findet sich weiterhin im Feuerfestbereich wieder. In Porzellan müssen die Mineralphasen Mullit (Alumosilikat) und Quarz bzw. Tonerde sowie im Knochenporzellan zumindest Ca-Phosphate einwandfrei nachweisbar sein.

Erst die Kombination aus Materialien (Rohstoffen) und einer ausreichenden Brenntemperatur lässt "echtes" Porzellan entstehen. Ab oberhalb von 1.300 °C kann die Glasur des Porzellans ausschmelzen und die darunterliegende Masse durchsintern. Nur so entsteht die für Porzellan so prägnante Härte und Festigkeit des Scherbens.

 


 

Zollrechtliche Definition von Porzellan 

Die zollrechtliche Definition von Porzellan dient nicht der Bestimmung des Materials, sondern vielmehr zur Feststellung von Einfuhrabgaben aufgrund von Material- und Verwendungsverwandschaften. Die zollrechliche Einstufung eines Porzellanimitats in die Tarifgruppe 69 1111 xxx berechtigt den Einführer nicht, sein Imitat als "Porzellan" zu bezeichnen! Diesem Irrglauben unterliegen sehr viele - und sogar auch bedeutende Einführer und Handelsmarken im europäischen Wirtschaftsraum. Dazu lesen Sie bitte im Abschnitt Warenkunde/Eigenschaften/Tarifierung. 

 


 

Warum ist die Definition von Porzellan so wichtig?

Keramik und Porzellan weisen sehr unterschiedliche Eigenschaften auf und lassen sich leider vom Verbraucher beim Kauf kaum voneinander unterscheiden. Der Scherben des Porzellans hat eine quasi lebenslange Stabilität und ist resistent gegen Alterung, Korrosion, Verfall oder Beschädigungen, solange es bestimmungsgemäß verwendet wird. Porzellan ist wasser- und säurefest, UV- und lichtfest, zersetzungsfrei und witterungsbeständig, kratzfest, schnittfest, ofenfest, mikrowellengeeignet, spülmaschinenfest und unterbindet die Verbreitung von Bakterien und Keimen wie kein anderes Material. Die hohe Dichte von Porzellan verleiht dem Scherben eine höhere physikalische Stabilität und eine bessere Temperaturspeicherung. Porzellan hält besser und länger warm als Keramik. Porzellan ist ein höherwertiges Material als Keramik - und die Herstellung von Porzellan ist teurer als die von Keramik.

 

Porzellan ist immer auch Keramik, aber Keramik ist niemals Porzellan!

 

 

 

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