Steinzeug



 

Steinzeug gehört natürlich - wie das Porzellan auch - zur großen Gruppe der Keramik. Der Fachmann bezeichnet diese "hochgebrannte" Variante als Feinkeramk. Geschirr aus Steinzeug erkennt man vorwiegend an ihrer weiß-gelblich oder grauen Scherbenfarbe. Der Scherben ist zwar gesintert und dicht gebrannt, aber nicht lichtdurchlässig, obwohl er beim Anschlagen einen ähnlich hohen Ton erzeugt wie das Porzellan. Der unglasierte Scherben des Steinzeugs ist zwar dicht und wasserundurchlässsig, aber der Porosität des Hartporzellans weit unterlegen.  

Die gewöhnliche Härte des Scherbens beträgt nach Mohs 3 bis 4. Damit kann Steinzeug von Stahl - also Besteck - geritzt werden. Das liegt an der niedrigen Brenntemperatur. Steinzeug wird bei ca. 900 °C im Biskuitbrand vorgeglüht und erhält den Glasurbrand bei circa 1.200 °C bis max 1.300 °C. 

 


Warum gibt es überhaupt Steinzeug?

Die Ansiedlung aller keramischen Hersteller erfolgte traditionell als rohstofforientierter Industrie- bzw. Handwerkszweig. Während Porzellan seine Plastizität aus hochwertigem Kaolin gewinnt, reicht für die Steinzeugherstellung eine geringwertigere Mischung aus Ton und Kaolin. Diese Tonart war vor allem in den Regionen "Westerwald", "Waldenburg" und "Bunzlau" vorhanden. So siedelten sich um das Jahr 1300 n. Chr. die ersten Steinzeugmacher in der rheinischen Ebene um Siegburg an. Die ursprünglichen Glasuren des Steinzeugs bestanden in Deutschland aus den grau oder blau scheinenden Salzglasuren (siehe Bild oben). Wesentlich älter als das deutsche "Kannenbacken" ist das Steinzeug aus Asien mit seinen Selandonglasuren. 

Eine für das Steinzug bekannte Region ist z.B. das "Kannenbäcker Land" um die Gegend von Höhr-Grenzhausen. Aus Steinzeug wurden klassisch vor allem Ziergegenstände und Trinkgefäße für "das gemeine Volk" hergestellt. Porzellan hingegen war den Adelshäusern vorbehalten. Durch den Rohstoff, die niedrigere Brenntemperatur und eine einfache, grobe Verarbeitung war Steinzeug deutlich günstiger als Porzellan. Der wohl bekannteste Vertreter des deutschen Steinzeugs ist der "Bembel"  - aus dem bis heute die Wirtshäuser in Hessen den Apfelwein ausschenken. 

 


Steinzeug in der Gastronomie

Steinzeug ist ein Klassiker und ein Ausdruck regionaler Verbundenheit.  Ein "Ebbelwoi" (Apfelwein) im Wirtshaus ohne "Bembel" ist für einen Hessen kaum vorstellbar. Ebenso schenken manche Brauereien ihre Bierspezialitäten noch aus Steinzeugkrügen aus - wenngleich das Thema "Eiche" nicht ganz ohne Gefahren behaftet ist. Steinzeug als Hohlgefäße (Trinkbecher, Bembel, Krüge, Kannen u.a ) in der Gastronomie sollten i.d.R. keine Probleme machen, da es nicht schnittfest sein muss. Auch das Risiko der Korrosion ist relativ gering, da die Gefäße meist im Gläserspüler mitlaufen oder sogar im Spülboy von Hand gereinigt werden. 

In Sachen Kantenschlag und mechanische Belastbarkeit punktet Steinzeug mit seinem dicken, robusten Scherben und steht in dieser Beziehung dem feinen Tafelporzellan kaum nach. Auf so manchen Berghütten und in vielen bayrischen Wirtshäusern findet man bis heute wahre Schätze aus Steinzeug mit wertvollen Dekoren und Veredlungen. 

 


Steinzeug bei Holst Porzellan

In unserer aktuellen Kollektion führen wir keine Artikel aus Steinzeug. Mit dem Konkurs der Fabrik "Marzi & Remi" im Jahre 1990 haben auch wir einen langjährigen Partner verloren, der mit der Agentur Peter Jahr einen wichtigen Teil "Salzglasur Keramik" in der Fachausstellung "Musterhaus am Messekreisel" in Köln darstellte. Steinzeug lassen wir auf Nachfrage im Rahmen unseres OEM-Geschäftszweiges für Brauereien, Mostereien und Weingüter in Partnerwerken heute in Asien herstellen. 

 

Hinweis: Zur besseren Unterscheidung der keramischen Arten lesen Sie auch unseren Beitrag Güteklassen der Keramik.

 

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