Steingut

 

Steingut - eine der ältesten keramischen Arten  

Steingut gehört natürlich auch  - wie Steinzeug und Porzellan - zur großen Gruppe der Keramik. Der Laie kann bei einem reinen Farbvergleich Steingut leicht mit Porzellan verwechseln, weil seine Scherbenfarbe dem Weiß des Porzellans sehr ähnlich ist. Auch in punkto Glanz der Glasur steht das Steingut dem Porzellan sehr nahe. Meist ist der Scherben des Steinguts aber dicker und plumper als der des Porzellans, weil es ihm an Dichte fehlt. Der Scherben des Steinguts ist wasserdurchlässig und porös und nicht lichtdurchlässig. Erst durch die aufgebrachte Glasur erhält der Steingutscherben eine gewisse Undurchlässigkeit, die es ihm überhaupt erst erlaubt, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen.   

Die gewöhnliche Härte des Scherbens beträgt circa  3 - 4 Mohs. Damit kann Steingut von Stahl - also Besteck - leicht geritzt werden. Das liegt an einer Besonderheit des Steinguts. Bei Steingut ist die Brenntemperatur des Scherbens im Biskuitbrand (ca. 1.300 °C) höher als die des Glasurbrandes (ca. 1.100 °C).

 


 Warum gibt es überhaupt Steingut?

Bitte erlauben Sie uns - als Porzellanhersteller - diesen Themenbereich abzukürzen und zu komprimieren, ansonsten wäre dieser Beitrag 5 mal so umfangreich. Steingut selbst unterteilt sich bereits in drei Gruppen. 

  • Kalkspatsteingut (Weichsteingut niedrig gebrannt)
  • Feldspatsteingut (Hartsteingut)
  • Mischsteingut (aus beidem etwas)

Die Grundmasse des Scherbens besteht aus einem Gemisch von weißbrennendem Ton, Feldspat, Kreide, Quarz und Pegmatit und unterscheidet sich schon durch seine Komposition vom hochwertigeren Porzellan. Als Faustformel gilt: Steingut besteht zu 50% aus plastischen und zu 50% aus stabilisierenden Bestandteilen. Diese Zusammensetzung bewirkt eine dem Porzellan überlegene Formbarkeit und Standfestigkeit während des Erstbrandes. Das erklärt, warum es vor allem große Platten und Schalen aus Steingut gibt, die in Porzellan im Ofen nicht gelingen würden. Ebenfalls wird ein großer Teil der Sanitärkeramik aus diesem Rohstoffmix gefertigt. Steingut hat also seine Berechtigung aufgrund seiner hohen Formbarkeit.   

Durch die im oberen Absatz dargestellte - sehr einzigartige - Biskuit-Brennmethode ist der Scherben quasi durchgesintert, also im Grunde fertig gebrannt, bevor er glasiert wird. Der niedrigere Glasurbrand bei ca. 1.100 °C erlaubt es, weitaus mehr Farben zu verwenden oder Veredlungstechniken anzuwenden wie bei der reaktiven oder oxidierenden Glasur. Durch den Hochbrandscherben des Porzellans (> 1.320 °C) ist der Farb- und Dekorationsspielraum bei Steingut weitaus höher, leuchtender und intensiver. Andererseits erklärt dieser Umstand eine unterschiedliche Ausdehnung von Glasur und Scherben bei thermischer Belastung, was wiederum die Bildung von Chraquelerissen begünstigt. 

 


Steingut in der Gastronomie

Nach unserer Erfahrung und Auffassung hat Steingut in der gewerblichen Verpflegung - also in Hotellerie, Gastronomie und vor allem im Krankenhaus und in der Gemeinschaftsverpflegung - nichts zu suchen! Steingutglasuren enthalten traditionell Bleioxid, Menninge und Bleiweiß, Borsäure Soda und Pottasche. Dank FDA und LFGB sind inzwischen gesetzliche Grenzwerte bestimmt, so dass der Anteil an Geschirr mit Schadstoffemissionen so gut wie vom Markt verschwunden ist. Dennoch stoßen wir nach wie vor auf Importe aus Steingut, die den gesetzlichen Bestimmungen nicht entsprechen. Gelegentlich gelangen solche Vorkommnisse auch in die Presse (Googlen Sie mal "Geschirr Rückrufaktion").

Neben der Gefahr möglicher Emissionen verbleibt die Tatsache der Weichheit der Glasur. Alleine schon die Tatsache der niedrigen Temperatur des Glasurbrandes (max. 1.100 °C) spricht dem Steingut jede Art von Schnittfestigkeit oder Resistenz gegen Glasurkorrosion ab. Die Folge des gewerblichen Spülens und der damit zusammenhängenden chemischen Belastung sind zunächst kleine, fast unsichtbare Chraquelerisse, die bereits zum Verlust der Hygienestabiität führen und damit das Geschirr für den gewerblichen Gebrauch unbrauchbar machen. 

Neben der geringeren Härte der Glasur steht auch der weniger dichte, porösere Scherben für eine eingeschränke gewerbliche Gebrauchsfähigkeit. Schon ein geringer Kantenschlag reicht aus, um den Steingutscherben zu beschädigen oder ihn zu brechen. 

Steingut wurde niemals mit dem Ziel einer gewerblichen Nutzung hergestellt. Nach unserer Auffassung lässt sich der Gebrauch von Steingut in der Gastronomie auf zwei wesentliche Faktoren zurückführen.

 


Der Preisfaktor

Einfuhrabgaben für Porzellan betragen 12%, die für Steingut hingegen nur 5,5 bis 6%. Durch diesen Unterschied bei der zollrechtlichen Erhebung entsteht eine künstliche Verschiebung "des Marktpreises" zu Ungunsten des Porzellans. Der Preisvorsprung von Steingut erhöht sich weiter durch die niedrigeren Brennkosten und den geringwertigeren Rohstoff. So kommen schnell Preisunterschiede von 30% und mehr zusammen.

 

Porelann-vs-Stoneware

 

Sehen sich die Artikel nun so ähnlich wie auf dem Bild oben, ist die Kaufentscheidung selbstredend durch den Preisunterschied getroffen.

 


Der Geschmacksfaktor

Es ist leider wahr, dass man mit Steingut schönere Dekore, reichhaltigere Farben und vor allem moderne Trends wie reaktive Glasuren realisieren kann. Wir verstehen auch das Verlangen der Gastonomie, sich durch Formensprache, innovative Servierelemente und trendige Farben voneinander abzusetzen. Aber wie ein "Caddy" nicht als aerodynamischer Sportwagen zu realisieren ist, sind eben auch beim Porzellan die Möglichkeiten in Form und Farbe begrenzt.

Aus unserer Sicht stellt jedoch der Einsatz von Steingut im Gewerbe einen fachlichen Regelverstoß dar, genauso wie die Verwendung bunter Bettwäsche im Hotelzimmer oder ein ungefaltetes Handtuch im Gästebad. Bereits nach kurzer Zeit des Gebrauchs führen Schnittspuren und Glasurkorrosion zum Verlust der hygienischen Eigenschaft. Ein solcher Teller darf einem Gast definitiv nicht mehr serviert werden.  

 


Steingut bei Holst Porzellan

Bis Mitte der 1980er Jahre führten wir noch hochwertiges Steingut der Marke Pfalzkeramik (Winterling Bruchmühlbach) Diese ausschließlich für den privaten Endverbraucher gefertigten Kollektionen umfassten modische Keramik, Sommerdekore, Landhausservice und ähnliche kurzweilige Trends. Durch den Zusammenbruch des Winterling-Konzern Anfang der 1990er Jahre und aufgrund unserer Konzentration auf den gewerblichen Geschirrbereich haben wir uns von diesem Steingut im Eigensortiment getrennt, um uns vollständig auf gewerblich nutzbares Porzellan zu konzentrieren. Steingut lassen wir auf Nachfrage im Rahmen unseres OEM-Geschäftszweiges für Retailer, Supermärkte und Discounter in Partnerwerken heute in Asien herstellen. 

Hinweis: Zur besseren Unterscheidung der keramischen Arten lesen Sie auch unseren Beitrag: Güteklassen der Keramik.

 

 

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